Freitag, 24. Februar 2017
Auf der Suche
Frauen mit Kinderwunsch gibt es wie Sand am Meer. Das ist mir mittlerweile klar.
Nachdem ich mich in unrealistischen und ethisch mindestens fragwürdigen Fantasien verloren habe, komme ich auf die Idee, zu googeln, wie Frauen ohne Partner an ein Kind kommen können. Es gibt Samenbanken, natürlich. Mittlerweile gibt es solche, die auch an alleinstehende Frauen und lesbische Paare verkaufen. Schnell wird klar, Samenspende ist vor allem eins - ein dickes Geschäft, bei dem es um Geld geht. Ohne Erfolgsgarantie. Wie ich als alleinerziehende Mutter mir - nötigenfalls sogar mehrere - dieser Behandlungen leisten soll, steht nirgends geschrieben. Ich könnte mein Erspartes dafür verwenden, aber, ganz ehrlich, das hätte ich lieber für meine Kinder.
Es gibt aber auch einen anderen Weg. Mittlerweile gibt es im Netz Foren für Männer, die sich als private Samenspender anbieten und Frauen, die ebensolche suchen. Schnell wird hier allerdings klar - vielen Männern geht es um schnellen Sex. Dass dieser auf den Eisprung hin getimt ist, scheint sie nicht zu stören - dafür gibt es gratis Sex, bis die Sache funktioniert. Nur selten lässt das Profil erahnen, dass es sich um einen Mann handelt, der tatsächlich nur das will - eine Frau mittels der Beschermethode zu helfen, ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Nicht ganz unwichtig dabei ist natürlich auch immer die Frage danach, ob die Samenspender bereit sind, ihren gemeinsam gezeugten Nachwuchs auch kennenzulernen - eine Zerreißprobe für jede Beziehung, wie ich vermute. Wächst nun schon Mini ohne Vater im Haushalt auf, möchte ich Mini Nummer 2 doch zumindest sagen können, wer der Vater ist.
Und natürlich gibt es auch immer noch die dritte Methode - jemanden zu fragen, den man schon kennt. Von dem man vielleicht sogar ein bisschen weiß. Der möglichst keine Beziehung hat. Im Idealfall, so wie ich ihn mir vorstelle, ist dieser Mann homosexuell, will aber auf ein Kind nicht verzichten. Er übernimmt keine aktive Vaterrolle, aber ein regelmäßiger Kontakt wäre schön. Wenigstens telefonisch. Leider kenne ich keine hmosexuellen Männer mit Kinderwunsch.
Eine lange Suche liegt also noch vor mir.
Donnerstag, 23. Februar 2017
Ein neuer Anfang
Herzlich willkommen auf meinem Blog "Vegane Wunschkinder". Es freut mich, dass du den Weg hierher gefunden hast.
Ich möchte dich gerne mitnehmen auf eine Reise. Eine Reise, die mit einem Hoch beginnt und direkt in ein Tief führte. Aber nun soll es wieder hoch gehen. Und höher, als es jemals war.
Wir schreiben das Jahr 2014. Es ist Juli. Es ist ein wunderschöner Tag. Nicht nur, dass die Sonne scheint, es angenehm warm ist und ich weiß, dass ich in wenigen Minuten meine Familie und Freunde sehen werde, die ich teils schon lange nicht mehr gesehen habe - nein, es ist ein fantastischer Tag, weil ich den Mann, mit dem ich seit 5 Jahren zusammen lebe, mit ihm ein Haus gebaut habe und mein Leben geplant habe - diesen Mann werde ich heute heiraten, um mit ihm mein restliches Leben zu verbringen. Es ist ein wunderbarer Tag.
Wir schreiben das Jahr 2015. Es ist März. Eine Blutung am frühen Morgen kündigt an, was ich niemals zu denken gewagt hätte. Wir fahren ins Krankenhaus. Der Ultraschall bestätigt - ich trage kein Leben mehr in mir. Am Abend setzen die Wehen ein, sie begleiten mich die ganze Nacht. Am nächsten Morgen fahren wir zurück ins Krankenhaus, auf dem Untersuchungsstuhl setzen die Blutungen ein. Eine Ausschabung erledigt den Rest. Ich bin im Schockzustand, kann nicht denken, kann nicht fühlen. Alles, was ich kann, ist zu weinen.
Wir schreiben das Jahr 2016. Es ist September. Ein Wunder ist geschehen. Ich bringe mein Kind bei einer wundervollen Wassergeburt zur Welt. Jede einzelne der 36 Stunden, in denen mich die Wellen begleiten, bringt mich näher an mein Kind. Schließlich halte ich es in den Armen. Wir liegen zu dritt im Bett im Geburtshaus, ich bin erschöpft, durstig und so glücklich wie niemals zuvor. Wir sind endlich eine Familie, so wie wir es uns vorgestellt haben.
Wir schreiben das Jahr 2017. Es ist Januar. Mini ist gerade 16 Wochen alt. Mein Mann sagt mir, er liebt eine andere Frau. Meine Welt zerbricht in ihre Einzelteile. Ich verbringe meine Zeit in der Hoffnung, er bleibt bei mir. Einige Wochen später zieht er zu ihr. Wieder ein Schock. Wieder absolute Hilflosigkeit. Wieder kein Denken möglich. Nur Fühlen. Ich fühle zu viel. Ich kann mich nicht einmal betrinken, weil ich stille.
Meine Lebensplanung läuft an mir vorbei. Winkend. Sie lächelt. Sie sagt mir, Mini soll kein Einzelkind bleiben, sollte er nie. Ich habe mir immer zwei Kinder gewünscht. Ich wünsche mir ein Geschwister für Mini, damit er Maxi werden kann. Ich habe selbst einen Maxi und niemandem habe ich jemals mehr vertraut. Von meinem Mann einmal abgesehen. Maxi hat mich niemals enttäuscht. Das wünsche ich mir für Mini. Ich bin 36. Sollte ich in den nächsten Jahren einen neuen Partner finden und mit ihm an die weitere Planung denken, werde ich 40 sein. Mindestens. Klar ist, das möchte ich nicht. Klar ist, ich brauche jemanden, der mir hilft, erneut schwanger zu sein. Klar ist, ich will diesen Weg gehen.
Und ich möchte dich mitnehmen auf diesen Weg, wenn du mich begleiten willst.
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